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Ausschnitte - Jenseits der Farben - Hörbuch

Der Geruch der Farbe Grün

VON JULIA KLABUHN

erschienen am 2007-06-12 in Mansfelder Zeitung, 82 Zeilen

Polleben/MZ. "Jenseits der Farben" heißt das erste Buch von Thierry Benquey. Der 48-jährige Franzose lebt mit seiner Frau, der Modedesignerin Sabine von Oettingen an der Pollebener Obermühle. 2003 brachte einen tiefen Einschnitt im Leben der Familie: Die Mühle brannte ab und der damals vier Jahre alte Sohn Lucien kam ums Leben. Thierry Benquey und Sabine von Oettingen kehrten zur Obermühle zurück, bauten das Wohnhaus des Gehöfts wieder auf. Und Lucien hat wieder eine Stimme: Im Buch seines Vaters.

"Die Welt steckt voller schöner Dinge, die man mit allen Sinnen fühlen muss". Thierry Benquey Buchautor

Benjamin, ein kleiner Junge von ungefähr vier Jahren steht eines Abends am Waschbecken. Da winkt ihm aus dem Spiegel ein zweiter Junge zu. Lulu, so heißt der Fremde, lädt ihn ein, seine Welt kennen zu lernen. Die ist voller Farben, die Lulu und Benjamin erkunden. Und das nicht nur mit den Augen, sondern mit allen Sinnen: Erdbeeren schmecken rot, Schnee klingt weiß, Minze riecht grün und Sand fühlt sich für die beiden Jungen gelb an.

An diesem erstaunlichen Ort wartet Lulu auf seine Eltern. Benjamin erfährt in der Geschichte auch den Grund, warum sein neuer Freund nicht mehr in seiner Welt wohnt: Er starb bei einem Hausbrand. Am Ende der Geschichte kehrt Benjamin in sein Leben zurück, auch wenn ihm Lulus Welt jenseits des Spiegels gefällt. Thierry Benquey erzählt in seinem Erstling eine Geschichte voller wechselnder Eindrücke. Die Kinder erleben schöne und lustige Momente ebenso wie traurige und erschreckende. Mit ihrer Phantasie verändern sie ihre Umgebung und sind von dem Ergebnis oft erstaunt.

"Die Idee hatte meine Schwester. Sie bat mich, eine Geschichte über die Wahrnehmung der Farben mit allen Sinnen zu schreiben", erklärt der Autor. Er schrieb seiner Schwester Muriel Arnace ein Theaterstück. Jetzt gab er die Geschichte als Buch im Selbstverlag heraus. Noch eine Idee der Schwester hat "Jenseits der Farben" geprägt: Sie wollte, dass Thierry Benqueys tödlich verunglückter Sohn Lucien in dem Stück vorkommt. Als Lulu begegnet er den Lesern nun im Buch. "Das Schreiben habe ich nicht als Verarbeitung des Ereignisses wahrgenommen. Aber es war mir angenehm, die Geschichte zu schreiben, weil mein Lulu dabei war", erklärt der Autor. Wichtiger sei ihm aber die Botschaft der Geschichte: "Die Welt steckt voller schöner Dinge, die man mit allen Sinnen fühlen muss".

Die Illustrationen in "Jenseits der Farben" stammen von Marisa Jacobi "Ich bin sehr zufrieden mit den Bildern. Als ich die erste ihrer Zeichnungen zu meinem Text sah, wusste ich, das sind die Bilder zu meinem Buch", lobt der Autor. Er hofft auf eine Zusammenarbeit bei weitere Büchern, für die er auch schon Texte und Ideen hat.

Großer Raum für eigene Imaginationen.

Von Marc Jacques Mächler bei Librikon.de

Dieses Buch für Kinder ist gefüllt mit farbigen Wahrnehmungen und Bildern. Es zeigt sehr schön, dass gewisse Dinge, die auf den ersten Blick keinen Sinn haben, auf den zweiten sehr wohl funktionieren. Ein Frage wie „Wie schmeckt Grün?“ mag zuerst komisch erscheinen, man merkt aber sehr schnell, dass viele Antworten möglich sind. Denkt man nur an die verschiedenen Geschmäcker, die grüne Pflanzen produzieren und wir als Tee genießen können! Es gibt viel mehr als nur einen Geschmack von Grün. Das Buch lädt dazu ein, sich vermehrt diese Fragen zu stellen. Die beiden Kinder tollen unbekümmert in ihrer Zauberwelt und lassen sich von ihren Sinnen berauschen, ihre Wahrnehmungskanäle sind bewusst geöffnet.

Ist es nicht so, dass wir Menschen im Alltag manchmal vergessen, zu erleben? Kinder sind noch viel freier, sich dem Augenblick hinzugeben. Für mich bietet “Jenseits der Farben” eine ideale Gelegenheit, Kindern den Weg zu zeigen, wie sie gewisse Dinge erfahren könnten. Und auch wir Großen können daran wachsen.

In diesem Buch wechselt der Schauplatz oft, und mit viel Liebe sind die Details der Wahrnehmungen, die Lucien und Benjamin erleben, beschrieben. Manchmal erscheint mir die Geschichte schon fast ein wenig psychodelisch, was einen großen Raum für eigene Imaginationen bietet.

Vielleicht wird dem einen oder anderen beim Ausdruck “Gerüche von Farben” automatisch das Wort Synästhesie in den Sinn kommen. Synästhesie bedeutet: Zusammen wahrnehmen. In der Tat findet dieser Ausdruck in vielen verschiedenen Bereichen seine Anwendung: In der Architektur wie auch in der graphischen Gestaltung ist das “Zusammenwahrnehmen” der verschiedene Sinne sehr wichtig. Ebenso war Synästhesie ein wichtiges Stilmittel in der Romantik. Allgemein kann man der künstlerischen Verarbeitung der verschmolzenen Sinnen große Bedeutung geben. Sogar, wenn man am Computer Musik hört und dazu Farben und Formen produziert werden, kann man dieses Wort verwenden.

Für die Neuropsychologie ist die genuine Synästhesie von großem Interesse. Genuin bedeutet soviel wie “echt” oder angeboren. In diesem Fall handelt es sich um Personen, die automatisch zu verschiedenen Sinnen andere Sinne aktivieren. Darum sehen Synästhetiker, wenn sie Musik hören, Formen und Farben, die sie nicht abschalten können - im Gegensatz zu den Synästhesien in “Jenseits der Farben”, welche alle freiwillig und bewusst erfolgen.

Im Buch ist die Frage “Wie schmeckt oder riecht eine Farbe?” von Bedeutung. In der genuinen Synästhesie fragt man sich eher: Welche Farbe hat ein Geruch oder ein Geschmack? Für einen Synästhetiker ist der Geschmack einer Erdbeere nicht unbedingt rot. Denn in der “echten” Synästhesie macht der Geschmack die Farbe, unabhängig von der Farbe der Geschmacksquelle. Dies nur zur Unterscheidung.

“Jenseits der Farben” ist voll von farbigen Synästhesien, und ich persönlich kann das Kinderbuch absolut empfehlen. Für Kinder und Erwachsene. Egal, ob ohne oder mit genuiner Synästhesie.

Der Rezensent ist Experte für Synästhesie und betreibt die Webseite www.synaesthesia.com

Bitte beachten Sie auch das Interview „Welche Farbe hat das A?” Der Zugang zur synästhetischen Wahrnehmungswelt kommt nicht ganz automatisch" mit Marc Jacques Mächler in der Rubrik „Eine Frage der Kultur“

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Eine Frage der Kulture

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„Jenseits der Farben“ ist ein eindringliches Buch. Es verlangt danach, dass beim Vorlesen immer einmal wieder innegehalten und mit den Kindern (ab 7) über die Handlung gesprochen wird - darüber, wie die beiden Freunde Lucien und Benjamin die Welt hinter dem Spiegel, die Welt jenseits unserer Welt und Wahrnehmung erleben. Die Intensität, mit der das Erleben, Erduften, Erfühlen von Farben geschildert wird, ist einzigartig, wie üerhaupt ein Buch wie „Jenseits der Farben“ nach seinesgleichen sucht. Ursprünglich auf Französisch geschrieben, aber nur in dieser deutschen Fassung als Buch erschienen, ist es auch sprachlich vollkommen eigen und herausragend. So wird bestes Bühnendeutsch zu Leben erweckt. Die Herausforderung, die das Buch durch Ausrufe und lange Passagen wörtlicher Rede für den Vorleser bedeutet, wird durch die enorme kulturelle Horizonterweiterung für die Zuhörer gedankt. Um den grundsätzlichen Fragen nach Leben und Tod nicht ausweichen zu müssen, empfiehlt es sich für Eltern, „Jenseits der Farben“ vorab allein gelesen zu haben. Die Kinderliteratur hat mit diesem Solitär ein prägendes Werk hinzugewonnen.

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